Sebastian Böhm, Atelier Engelstraße 127, Trier

 

 
 
 

 
Plastik wurde weggespült
Bad Laasphe. Im Exklusivgespräch mit der Siegener Zeitung sagt Künstler Sebastian Böhm, dass er diese Situation ganz bewusst einkalkuliert habe.

"Genau hier hat die Skulptur gestanden", sagte gestern Eckhard Lenk, Vorsitzender der Bürgeraktionsgemeinschaft (BAG) "Schöne Altstadt" Bad Laasphe, auf Nachfrage der Siegener Zeitung und deutete von der Lahnbrücke aus auf den reißenen Fluss viele Meter darunter. "Den Sockel kann man immer noch sehen. Alles andere hat die Strömung mit sich genommen." Er selbst sei kürzlich von einem der Anwohner benachrichtigt worden. "Der erzählte mir, dass er am 24. Dezember plötzlich ein lautes Geräusch hörte, dass von draußen, von der Lahn, her kam." Wenige Augenblicke später war es dann so weit: Die Installation mit dem Namen "Klafter II" wurde vom Hochwasser weg gespült.

"Die Schnellen der Lahn und der Laasphe, die genau hier zusammentreffen, sind einfach sehr stark", so Eckhard Lenk. Daher sei das Kunstwerk auch Opfer des Wassers geworden.

Die Siegener Zeitung sprach gestern exklusiv mit einem der beteiligten Künstler und erfuhr von Sebastian Böhm aus Trier dabei weitere, sehr spannende Details. Die Skulptur "Klafter II" stellte er im Juni dieses Jahres in Koopertaion mit seinem Künstlerkollegen Werner Müller und unter Mitarbeit von Mario Petry an Ort und Stelle auf. Bereits im Jahr 2001 verwirklichten beide Künstler das Vorgänger-Modell namens "Klafter" in einer Schlucht bei Saarburg in Rheinland-Pfalz. Seit den Sommermonaten sollte "Klafter II" das Stadtbild der Lahnstadt prägen.

Von der Siegener Zeitung auf den Verlust vor ein paar Tagen angesprochen, reagierte Sebastian Böhm gelassen. Bislang habe er noch nichts davon gehört. Das Ganze sei aber von vornherein als Geschehen eingeplant gewesen. "Wenn man eine Skulptur in ein fließendes Gewässer setzt, muss man damit rechnen, dass etwas mit ihr passiert", so Sebastian Böhm.

Mit der Zeit würden Landart-Projekte von der Natur verformt, gedreht, gewendet und verändert, mitunter auch aufgelöst. "Und von diesen Bedingungen muss man bei einer solchen Installation auch ausgehen." Dieses Risiko sei man also von vornherein auch bewusst bei "Klafter II" eingegangen. Und umso spannender sei nun auch, dass der Vorfall eine Vielzahl an Gesprächen anregen werde, bei denen die unterschiedlichsten Sichtweisen ins Feld geführt werden könnten. "Jeder hat eben seine eigene Meinung dazu", so Sebastian Böhm. Und das mache das ganze Projekt auch im Nachhinein äußerst reizvoll. Er freue sich daher künftig umso mehr auf die Geschichten, die sich rund um Klafter II entwickeln könnten. Im Geiste sei die Skulptur ja auch immer noch da. Die Stelle in der Lahn könne man von jetzt an eben als diejenige beschreiben, wo einmal eine imposante Holzskulptur gestanden habe. In diesem Sinne schließe sich hier der Kreis zum Slogan des zweiten Bildhauersymposiums Wittgenstein in Bad Laasphe, der noch im Juni dieses Jahres lautete: "Neue Sicht auf alte Plätze!"

 
Volker Gastreich: "Plastik wurde weggespült", Siegener Zeitung, 29. Dezember 2012

 
       
11.05.2018 17:57:32 © Sebastian Böhm, 2018