Sebastian Böhm, Atelier Engelstraße 127, Trier

 

 
 
 

 
(…)Die Eröffnung der Ausstellung erfolgte im Rahmen des sogenannten Vernissagentages, zu dem sich neun Dresdner Galerien und Ausstellungsräume zusammengeschlossen haben. Damit hat die Stadt eine neue Attraktion gewonnen, und wenn sich auch das Publikum nicht überall so drängelte wie bei Döbele, so ist doch auch die Qualität der übrigen Präsentationen sehr beachtlich.

Dabei liegt der Schwerpunkt nicht auf der sogenannten "Dresdner Schule", die hinter der ungleich prominenteren Konkurrenz aus Leipzig etwas in Vergessenheit geraten ist. Vielmehr haben sich die meisten Anbieter bemüht, eigenständige Positionen vorzustellen, ohne dabei auf hier ansässige Künstler zu verzichten.

In der Art Academy, wie die meisten beteiligten Häuser in der Neustadt angesiedelt, werden Bilder von Andreas Hildebrandt und Sebastian Böhm, der eine geborener Dresdner, der andere zugezogen, gezeigt. Hildebrandt, Jahrgang 1973, hat unter anderem einen neuen Zyklus mitgebracht, der bis in die einzelnen Ziegelsteine detailliert Mauern zum Thema wählt, an deren oberem Rand noch gerade etwas Himmel zu sehen ist und in deren Gefüge bisweilen kleinere Bilder eingezeichnet sind.

Diese Arbeiten ergänzt der um ein Jahr ältere Böhm durch seine Baum und Landschaftsansichten perfekt. Schon das Material führt vor, dass hier mehr angestrebt wird als bloße Gefälligkeit. Böhm zimmert für seine Bilder fünfzehn Zentimeter tiefe Holzrahmen, auf die er grobmaschige Jute spannt, die dann bemalt wird. Durch den Abstand zur Wand bekommen die Bilder eine luminiose Transparenz, die die verschwommen gestalteten Ansichten in beste Dresdner romantische Tradition stellt. (…)

 
Andreas Platthaus: "Schaut auf diese 800 Jahre alte Stadt: Ein Galerienrundgang zum gemeinsamen Vernissagentag", Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 19. März 2006

 
       
11.05.2018 17:57:32 © Sebastian Böhm, 2018