Sebastian Böhm, Atelier Engelstraße 127, Trier

 

 
 
 

 
Die Sonne gelblich strahlend in diffusem Licht, Baumstämme schemenhaft in zarten, durchscheinenden Farben. Tannewipfel. Die über 4 mal 3 Meter große Wandinstallation von Sebastian Böhm besteht aus 20 Bildfeldern, ähnlich wie beim Gesellschaftsspiel Memory tauchen diese Bildmotive jeweils doppelt auf O-Ton Böhm: "Ich meine, die Grundidee ist Wahrnehmung zu überprüfen, malerisch zu überprüfen. Bei Memory ist es so, dass die Teile paarweise parallel gemalt werden. Das heißt, ich mache das erste Bild und male parallel das zweite Bild gleichzeitig dazu. Also, das kam überhaupt durch die Auseinandersetzung mit Erinnerung."
Böhms Erinnerungsbilder setzen den Prozess des Erinnerns visuell um. Dabei entwickelt er eine sensible Bildsprache, die sinnlich vermittelt, wie ein Bild aus der Vergangenheit vor dem inneren Auge Gestalt annimmt. Bei dem Gemälde "Ina vor den Lidern" ist eine blaue Gestalt in zarten, verschwimmenden Konturen vor blautonigem Hintergrund zu sehen. Ob sich die schemenhafte Figur auf einen zu bewegt, langsam deutlicher wird, oder ob sie sich entfernt und langsam in den sie umgebenden Farben aufgeht, bleibt offen.

O-Ton Böhm: "Weil eben die Erinnerung trügt. Genauso ist es mit der visuellen Wahrnehmung, die wir erinnern. Also auch da gibt es vielleicht einfach Sachen, die Atmosphäre bedeuten, an die wir uns erinnern. In denen zum Beispiel ein Licht durch einen Wald fällt, und während wir das malen, wir uns der Atmosphäre annähern, an die wir uns erinnern. Und während wir das malen, wir uns der Atmosphäre annähern und gar nicht so sehr diesem Baumstamm zu diesem Baumstamm, in dem Licht dazwischen. Sondern der Atmosphäre. Manchmal stimmt die eher, indem sie offen bleibt und diese Tiefe andeutet und eben einen Sog oder ein Drücken beim Betrachter auslöst, und auf dieser visuellen Ebene viel eher dem entspricht, als eine punktgenaue, fotographische Abbildung."

Böhms Bilder scheinen licht - durchflutet, in "Der gute Stern" taucht helles, weiches Licht eine weite, ebene Landschaft in diffusen Schein. Sieht man sie an, hat man das Gefühl, über dieser Landschaft zu schweben, hineingezogen zu werden und gleichzeitig hinauskatapultiert. Eine Tiefen- und Sogwirkung, die Böhm auch durch die Wahl des Materials erreicht. Er malt auf über 10 cm tiefen Rahmen gespannte, ungrundierte Jute.

O-Ton Böhm: "Also wenn man das als Bildträger benutzt, und wirklich wie eine normale Leinwand auch nutzt, ergibt sich eine Malerei, die mit der Luft, mit dem Lichtraum dahinter, hinter der Leinwand arbeitet. Weil der Schuss- und Kettfaden so offenporig ist, dass immer noch Licht durchfällt, selbst wenn sie dicht (durch den malerischen Prozess (Böhm)) ist, fällt durch die ja immer noch transparente Ölfarbe Licht durch und man hat einen diffusen Schimmer, der von innen kommt."

Bei Böhms Auseinandersetzung mit der Wahrnehmung und dem Erinnern spielt die Natur als Motiv eine wesentliche Rolle. O-Ton Böhm: "Im Grunde glaube ich, die Natur, also der Außenraum, das ist praktisch der größt-sehbare Raum für uns und gerade für die Künstler schon immer gewesen und das hat eine Gültigkeit, die sonst immer abgelenkt wird durch menschliche Eingriffe. Und die Natur, auch wenn sie ein Forst ist, hat eine Notwendigkeit, eine visuelle, die man sonst eigentlich nicht findet. Von daher ist Natur einfach ein Grundexempel, an dem man Malerei überprüfen kann."

Wie man die Welt um sich herum wahrnimmt und wie das Erinnern neue Bilder entstehen lässt, damit will sich Sebastian Böhm noch weiter auseinandersetzen. Viel versprechende Aussichten. Die Ausstellung in Konz ist ein sinnliches Erlebnis.

 
Nicole Mertes über: "Sebastian Böhm: Memory", SWR 2 Hörfunk, 11. März 2008

 
       
11.05.2018 17:57:32 © Sebastian Böhm, 2018